EmpireOfOil_Presse3_quer.jpg

EMPIRE OF OIL

PART 1: A RESEARCH IN 360°

Ballhaus Ost, Berlin

In EMPIRE OF OIL widmet sich Costa Compagnie der substantiellen Befragung des für uns alles entscheidenden Rohstoffs. Das mehrteilige Projekt kreist um den Themenkomplex Öl und recherchierte dazu in den zwei gegensätzlichen Ländern Norwegen und Irak. Das skandinavische Land ist einer der wichtigsten Öl- und Gaslieferanten Deutschlands, während der Nordirak – in Aufruhr um eine kurdische Unabhängigkeit – als Stützpunkt der Bundeswehr im alliierten Kampf gegen den IS dient und eines der größten Ölvorkommen der Region besitzt. Bietet der allmächtige Rohstoff das Potential für eine vermeintliche sozialstaatliche Utopie wie in Norwegen oder befördert es einen nicht endenden Kriegszustand wie im Irak? Was sind die Erfahrungen der Menschen vor Ort?

Die Gruppe recherchierte in Stavanger, Bergen, Kristiansand, Erbil, Sulaymaniyah, Kirkuk und Mosul – letztere während des Kurdischen Referendums und der Schließung des Luftraums – und entwickelt aus dem mit einer 360°-Kamera gefilmten Material zwischen November 2017 und Mai 2018 drei intermediale Performances und einen Virtual-Reality-Film.

Die Costa Compagnie verhandelt diese Fragen zwischen Dokumentation und Abstraktion und errichtet für den ersten Teil im November – einer Videoarbeit – einen 360°-Videospace im Ballhaus Ost. Im Februar 2018 baut der zweite Teil mit einer Text basierten Performance und einem Fokus auf Virtual Reality darauf auf und im Mai schließt eine Tanz-Performance die interdisziplinäre Auseinandersetzung mit dem globalpolitischen Brennpunkt ab.

Premiere:   23. November 2017

Weitere Vorstellungen:
24. / 25.11.2017
02. / 03.02.2018
24. – 26. Mai 2018 um 18 Uhr
27. Mai 2018 um 16 Uhr

In englischer Sprache mit deutschen Untertiteln

Tickets gibt es hier !

Part 2: The Underground Frontier (Performance)
Premiere am 01. Februar 2018

Weitere Vorstellungen:
02. / 03. Februar 2018
24. – 26. Mai 2018 um 20 Uhr
27. Mai 2018 um 18 Uhr

Part 3: An Infinite Ending (Tanz)
Premiere am 24. Mai 2018 um 21:30 Uhr

Weitere Vorstellungen:
25. – 26. Mai 2018 um 21:30 Uhr
27. Mai 2018 um 19:30 Uhr

Virtual Reality Installation
24. – 27. Mai durchgehend

Künstl. Leitung / Recherche / Kamera Felix Meyer-Christian  Kamera / Photo /Drohne Stefan Haehnel Fixer Repak Dawdi, Hana Quader Bühne / Kostüm Zahava Rodrigo Projection Mapping & Programming  Erik Kundt Video-Schnitt Michail Rybakov Video-Support René Liebert Komposition / Soundart Marcus Thomas Gesang Inger Lindsjørn Nordvik Buzuq Mevan Younes Voice-Over / Dramaturgie Hauke Heumann Grafik Fanny Wühr Dramaturgie-Assistenz Lena Mallmann Produktionsassistenz / Cutter: Nicole Nowak Cutters: Timothy Justin Lalonde, Ana Catalá, Karo Serafin, Miguel Murrieta Vásquez Support Doaa Ahmed, Jascha Viehstädt

Eine Produktion von Costa Compagnie in Kooperation mit dem Ballhaus Ost. Gefördert durch die Berliner Senatsverwaltung für Kultur und Europa, Spartenoffene Förderung und mit freundlicher Unterstützung durch Optoma Deutschland und das Goethe-Institut Irak, Verbindungsbüro Erbil.

GI_Logo_vertical_green_CMYK_IsoUncoated

Mosul_costa_cie.jpeg

A46A9516-Kopie.jpg

A46A9499.jpg

A46A9511.jpg

A46A9526-Kopie.jpg

A46A2868-Kopie.jpg

Zitty, 22. November 2017

Intermediale Performance

Fluch und Segen

Die interdisziplinär arbeitende Costa Compagnie erforscht in „Empire of Oil“ im Ballhaus Ost auf innovative Weise, wie Gesellschaften durchs Öl vergiftet werden – und wie man das zumindest dosieren könnte

Text: Tom Mustroph

Meer und Wüste sind nicht nur weite Flächen, auf denen Menschen sich eher ungern aufhalten. In manchem Meeresboden, unter manchem Wüstensand steckt auch das schwarze Gold – ein Fluch und Segen zugleich.

An die ölreiche Küste vor Norwegen und auf den ebenso ölreichen Sand des Nord­iraks hat sich die Costa Compagnie begeben, um vor Ort zu untersuchen, wie der Rohstoff die dortige Bevölkerung prägt. Sie befragte Ölbohrer und Manager aus Skandinavien, war im Büro von kurdischen Politikern, deren Unabhängigkeitsbestrebungen eng mit den erhofften Gewinnen aus dem Ölgeschäft verbunden sind. Diese und andere Interviews sind nun Teil der immersiven Performance „Empire of Oil – A Research in 360°“.

Auch eine Dichterin und ein kritischer Journalist aus dem Nordirak wurden interviewt und die mittlerweile zur Heldin aufgestiegene Greenpeace-Aktivistin Sini Saarela – sie gehörte zu den von Russland eine Zeitlang eingesperrten „Arctic 30“. Die Aussagen der etwa zwei Dutzend Personen werden eingebettet in opulente 360-Grad-Filme, die in einem Rundhorizont im Ballhaus Ost zu sehen sind. Die Filme, teils Drohnenaufnahmen, teils statisch aufgenommen, zeigen Bohrtürme in arktischen Gewässern und im vom Krieg zerstörten Nordirak.

Eine Schlüsselfigur ist dabei der irakische Geologe Farouk Al Kasim. Er kam in den 1960er-Jahren nach Norwegen, auf der Suche nach medizinischer Betreuung für seinen kranken Sohn. Damals begann Norwegen, seine Ölfelder zu erschließen. Al Kasim warnte vor den Fehlern seiner Heimat: Die irakische Elite hatte im Rausch des schnellen Geldes Konzessionen an britische und US-amerikanische Firmen regelrecht verschleudert und steckte die Gewinne, die nicht außer Landes gingen, meist in die eigene Tasche. Norwegens Öl-Staatsfonds, der dem gesamten Land beachtlichen Wohlstand beschert, ist auch Al Kasims Warnungen zu verdanken.

Allerdings stieß Felix Meyer-Chris­tian, Filmemacher und Regisseur der Costa Compagnie, auch im Beispielland Norwegen auf manche Wand des Schweigens; vor allem dann, wenn er nach den globalen Folgen des hübschen Ölgeschäfts der Skandinavier fragte: Klimawandel, Umweltschäden und -zerstörung. „Empire of Oil“ fragt daher auch, warum viele Industrien noch immer auf Öl basieren, und wer daran verdient, obwohl technologisch ein Energiewandel längst möglich wäre.

Zwei Performer interagieren zum Filmgeschehen live mit dem Publikum, das Projekt ist aber auf mehrere Teile angelegt. In weiteren Phasen will die Costa Compagnie im nächsten Jahr die 360-Grad-Filminstallation um eine textbasierte Performance (Premiere 1. Feburar) und später um eine Tanzperformance (Premiere 23. Mai) erweitern.

Das alles soll ebenfalls mit einer 360-Grad-Kamera dokumentiert werden und aus dem gesamten Material schließlich eine voll-immersive Virtual Reality-Umgebung entstehen. „Wir wollen herausfinden, was die VR-Technologie für das Theater bedeuten kann“, meint Meyer-Christian. Am 23. November fällt im Ballhaus Ost der Startschuss für das Technologie-Experiment im Dokumentartheater-Kontext.