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FUTURE MEMORY

Ein Audio-Beitrag zu TRUCK TRACKS RUHR #3 – Album Duisburg

Ein Konzept von Rimini Protokoll

Produziert von Urbane KĂŒnste Ruhr in Koproduktion mit der Ruhrtriennale 2016-17

Sie schrieb: „Unsere Zukunft hat ein Herz aus Stahl.“ Die Frage sei, wie wir diese betrachten wĂŒrden. Wo befindest du dich? Wie kamst du hierher? Sie schrieb, vielleicht beobachte dich dieser Ort und nicht andersherum. Denn die Stadt sei eine Landschaft, die sich deiner gewahr ist.

Premiere am 12. August 2016

Vorstellungen durchgehend bis 24.09.2016

Und bei der Ruhrtriennale 2017 vom 19. August – 30. September 2017

Info unter https://www.ruhrtriennale.de/de/produktionen/truck-tracks-ruhr-compilation

Credits Foto: Volker Hartmann/Urbane KĂŒnste Ruhr 2016.

VON UND MIT

Text und Stimme

Felix Meyer-Christian

Sound

Matthias Reiling

Schnitt und Aufnahmeleitung

Marcus Thomas


PRESSE

 PRESSE

„12.08.2016 WDR Fernsehen, Quelle: WDR
Ruhrtriennale mobil: Truck Tracks Ruhr
Ein Kunstprojekt der besonderen Art im Rahmen der Ruhrtriennale: Ein LKW – ausgestattet mit einer kleinen ZuschauerbĂŒhne – fĂ€hrt in Duisburg zu entlegenen Orten. Die Szenerie, die sich vor der großen Fensterscheibe eröffnet, ist dabei die BĂŒhne. Parallel werden Kurzhörspiele und Musik eingespielt.“

http://www.ardmediathek.de/tv/Lokalzeit-aus-Duisburg/Ruhrtriennale-mobil-Truck-Tracks/WDR-Fernsehen/Video?bcastId=7293588&documentId=37121008

WAZ, 14.08.2016

Ruhrtriennale – Tour mit „Truck Tracks Ruhr“ – Duisburg mit anderen Augen
Duisburg. Teilnehmer einer außergewöhnlichen Rundfahrt im Rahmen der Ruhrtriennale können Duisburg mit anderen Augen sehen. Lastwagen wird zum Zuschauerraum.

Von Anne Horstmeier

Bei dieser Stadtrundfahrt geht es auch, aber nicht nur um Duisburg. Es geht um nicht weniger als die Spezies Mensch und ihre Zukunft. Wer an einer der ersten Touren von „Truck Tracks Ruhr“ teilgenommen hat, die am Wochenende am Lehmbruck-Museum gestartet und im Landschaftspark angekommen sind, kann Duisburg und viele andere Fragen mit anderen Augen sehen.

FĂŒr den Perspektivwechsel sorgt der zu einem rollenden Zuschauerraum umgebaute Lastwagen. Eine der zehn Meter breiten und zweieinhalb Meter hohen Seiten des Laderaums wurde verglast, wird so fĂŒr die Zuschauer zur Breitband-GuckkastenbĂŒhne. Straßen, HĂ€user und Menschen bilden die Kulisse, die aus diesem ungewohnten Blickwinkel ganz anders aussieht, obwohl man den Ort vielleicht schon oft gesehen hat. Nahezu unbemerkt von den Passanten, kann man auch sie intensiv beobachten.

Vor dem Fenster wird eine Leinwand hoch- und runtergerollt. Ist sie unten, werden auf ihr Videos gezeigt: Duisburger Ansichten und Menschen des Ruhrgebiets, begleitet von entspannenden Soundtracks. Der Truck rollt unterdessen weiter, das Publikum verliert die Orientierung, der Truck hĂ€lt, die Leinwand öffnet sich. An sieben Stationen sieht das Publikum Ausschnitte der Stadt, dazu hört es mal literarische Texte, aber auch authentische Zitate sowie ein verblĂŒffendes Interview an Station drei, einer Waschanlage. WĂ€hrend man also Menschen zusieht, wie sie ihre Autos pflegen, hört man ein Interview, in dem in sanftem Plauderton ĂŒber die Abschaffung der Menschheit gesprochen wird. In „Without Us“ lĂ€sst Marcus Lindeen den GrĂŒnder der so genannten Bewegung fĂŒr das freiwillige Aussterben der Menschheit, Les U. Knight, die VorzĂŒge erklĂ€ren, die es fĂŒr die Erde hĂ€tte, wenn sich die Menschen durch Sterilisation abschaffen wĂŒrden. Ein fesselndes Gedankenexperiment: Ist die „Mona Lisa“ bedeutender als eine MĂŒcke?

An der zweiten Station am Kuhtor wird errechnet, wie viel Platz ein Mensch zum Leben braucht, zum Überleben, aber auch, um es mit seinen Mitmenschen aushalten zu können. Eine besondere Brisanz entwickelt der Text in der Stadt der Loveparade-Katastrophe, nicht fern ist auch der Gedanke an die im letzten Jahr in einem Lastwagen erstickten FlĂŒchtlinge. Haben wir noch Platz in unserem Boot?

Vorhang runter, Bilder der Wasserski-Anlage bei Sonnenschein, Stopp, Vorhang auf, entlang des abgerissenen Mercatorquartiers mit den geparkten Baumaschinen rollt der Truck weiter, im Soundtrack MaschinengerÀusche. Vorhang runter, wo wird er sich wieder öffnen?

Ruhig rollt der Truck, landet spĂ€ter in einer öden Hafengegend mit Blick auf Kohle-HĂŒgel, Schienen, KrĂ€ne, ZĂ€une, Autobahn – und der Text fĂŒhrt in eine ferne Zukunft, aus der ein „Raketenmann“ aufs Jahr 2016 zurĂŒck schaut. War die Zerstörung durch den Menschen nicht aufzuhalten

Mit dem Blick auf Beton und LĂ€rmschutzwĂ€nde, auf der Graffitis bunte Zeichen setzen, geht es auf der A 59 nach Norden. Der nĂ€chste Hauptdarsteller ist Werkstor 1 von Thyssen-Krupp. Ein fast menschenleeres „BĂŒhnenbild“, nur belebt von den Pförtnern, dazu Kopfkino aus dem Off. RĂŒckschau ins Jahr 1895, als zum ersten Mal ein Film öffentlich vorgefĂŒhrt wurde: Mit Arbeitern, die aus einem Fabriktor strömen. Wie haben sie sich die Zukunft der Arbeit vorgestellt — ĂŒber 100 Jahre spĂ€ter? Das Kunstprojekt „Truck Tracks Ruhr“ zeigt einen unverstellten Blick aufs Ruhrgebiet. Die klassischen SehenswĂŒrdigkeiten gehören nicht dazu. Auf dem Ikea-Parkplatz stoppt der Truck nicht, er fĂ€hrt unaufhörlich um die eigene Achse, der Text dreht sich um die UnfĂ€higkeit, Halt zu machen und zur Ruhe zu kommen. Sind wir sĂŒchtig nach immer neuen Reizen?

Letzte Station ist der Landschaftspark. Vor der großartigen Kulisse der Ventilatoren heißt es: „Unsere Zukunft hat ein Herz aus Stahl.“ Wohin bewegen wir uns? In einer zweistĂŒndigen Fahrt auf den Straßen der Stadt haben sich Gedanken ĂŒber den Beton erhoben, haben andere Blickwinkel entdeckt, neue Wendungen genommen. Was will Kunst mehr erreichen?