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Januar 2020

INDEPENDENCE IN SPACE

Vom unmöglichen Versuch, Freiheit in einen Raum zu denken.

Edith-Russ-Haus für Medienkunst

In Kooperation mit dem Oldenburgischen Staatstheater

Teil des mehrteiligen Projekts FIGHT (FOR) INDEPENDENCE (2018 – 2020)

In der choreographischen Installation INDEPENDENCE IN SPACE setzen sich die Berliner Gruppe Costa Compagnie mit dem Tänzer und Choreografen Jascha Viehstädt und dem Regisseur und Künstler Felix Meyer-Christian unter Beteiligung der Schauspielerinnen Katharina Shakina, Helen Wendt mit körperlichen und räumlichen Dynamiken globaler Unabhängigkeitsbewegungen auseinander. Ebenfalls im Team ist die katalanische Tänzerin und Performerin Montserrat Gardó Castillo, die den Konflikt um die Unabhängigkeit und Identität an ihrem Geburtsort seit Jahren mitverfolgt. Körperbilder entlang der Freiheit des Andersdenkenden, von Vereinzelung, Verlust, Aufbruch, Aggression und Solidarität verbinden sich mit einer Sound-Installation aus Geräuschen, Klängen, und Sprachversatzstücken aus den von der Costa Compagnie durchgeführten Recherchen in Großbritannien, Bayern, Katalonien und im Südsudan. Bewegung und Sound verdichten sich in dieser Performance zu einer die Zuschauenden umgebenden Assoziations-Welt.

Dauer: ca. 240 Minuten

Jederzeit frei begehbar

Eintritt frei

Eröffnung am Samstag, den 11. Januar 2020, Beginn um 18.00 Uhr

Zweite Performance am Sonntag, den 12. Januar 2020, Beginn um 15.00 Uhr

TEAM @ Independence in Space

Performance, Co-Creation Montserrat Gardó Castillo, Katharina Shakina, Helen Wendt Choreographie, Performance Jascha Viehstädt Künstlerische Leitung, Recherche Felix Meyer-Christian  Komposition, Soundart Marcus Thomas Programming, Video Erik Kundt Dramaturgie Marc-Oliver Krampe Produktionsleitung Franziska Merlo

Eine Produktion von Costa Compagnie in Kooperation mit dem Staatstheater Nürnberg und dem Oldenburgischen Staatstheater, sowie dem Edith-Russ-Haus für Medienkunst.

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Funded in the Fonds Doppelpass by the Federal Foundation of Culture.

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„Independence in Space“ ist ein Teil der vierteiligen Kooperation der Costa Compagnie mit den Staatstheatern Nürnberg und Oldenburg und dem Edith-Russ-Haus für Medienkunst. Die anderen drei Teile, „Independence for All“, „Independence for You“ und „Independence in Virtual Reality“ werden vom 14.-17.5.2020 in der Exerzierhalle Oldenburg im Rahmen des flausen+ BANDEN! – Festivals des Oldenburgischen Staatstheaters gezeigt.

Tanz den Separatismus

Die Costa Compagnie will globalen Unabhängigkeitsbewegungen im Tanz auf die Spur kommen. Zu erleben ist das am Wochenende in Oldenburg.

Erschienen am 11.01.2020 unter TAZ

11. 1. 2020 / Von Jan-Paul Koopmann / taz.bremen Redakteur

BREMEN taz | Einfach macht es sich Montserrat Gardó Castillo nicht mit ihrer Identität. „Die ist kompliziert“, sagt die 1982 in Barcelona geborene Tänzerin, „vielleicht komplizierter als viele andere.“ Es fängt schon mit der Sprache an: Zu Hause in der Familie hat sie Katalanisch gesprochen, mit den meisten Freund*innen hingegen Spanisch. Dazu hat sie eine französische Schule besucht, lebt seit 13 Jahren in Deutschland und arbeitet noch etwas länger in internationalen Zusammenhängen – auf Englisch, versteht sich.

Dass die katalanischen Unabhängigkeitsbestrebungen sie dermaßen mitnehmen würden, wie es nun passiert ist, hatte Castillo jedenfalls nicht erwartet. Zumal sie sich von der Sozialisation her sowieso zu diesem selbstverständlichen US-amerikanischen Weltbürgertum zählt, wie die meisten ihres Jahrgangs: mit früher „Baywatch“ und heute Netflix.

Die Mehrdeutigkeit ihrer Geschichte ist mustergültig für das Projekt „Fight (For) Independence“ der Costa Compagnie, dessen zweiter Teil am Wochenende im Oldenburger Edith-Russ-Haus für Medienkunst zu sehen ist.

Die Performer*innen haben auf der ganzen Welt recherchiert und Unabhängigkeitsbewegungen besucht: nicht nur in Katalonien, sondern auch im Südsudan oder in Großbritannien. Dass die Compagnie auch der Bayernpartei ihre Aufwartung gemacht hat, verrät schon, dass man zu einer früher weit verbreiteten Idee der politischen Linken mindestens auf Abstand gegangen ist: der einer antiimperialistischen Avantgarde nämlich, eines „revolutionären Subjekts“, auf das lange Verlass war.

Sie werden sich erinnern: Nachdem die Revolutionen der westlichen Arbeiterklasse durch die Bank niedergeschlagen oder gar nicht erst passiert waren, hatte sich die Linke den separatistischen Bewegungen zugewandt. Aufgeladen bis zum „Geht nicht mehr“ mit Bildern vom Kampf Davids gegen Goliath, Freiheit, Authentizität und eben auch Identität.

Für Regisseur Felix Meyer-Christian ist das heute nur noch Anlass einer Spurensuche, wenn er offen fragt: „Ist das noch ein progressives Projekt?“ Oder ist es doch nur die Renaissance reaktionärer Nationalismen?

Die Kunst nähert sich den sozialen Bewegungen auf verschiedenen Wegen. Die Costa Compagnie hat Interviews geführt, Videos gemacht und wird in den Folgeproduktionen auch mit Virtual-Reality-Brillen arbeiten, um einen möglichst direkten, immersiven Zugang zu eröffnen.

Tanznummer ohne gesprochene Worte

Die übrigen Teile der Reihe, an der neben Edith-Russ-Haus und der Compagnie auch die Staatstheater Oldenburg und Nürnberg beteiligt sind, werden im Mai beim „Flausen + Banden Festival“ in Oldenburg zu sehen sein. Der jetzt anstehende Teil, „Independence in Space“, ist vielleicht der bodenständigste, obgleich es der abstrakteste ist: Es ist eine Tanznummer, gänzlich ohne gesprochene Worte.

Und da kommt Montserrat Gardó Castillo ins Spiel, die gemeinsam mit Tänzer und Choreograf Jascha Viehstädt und den Schauspielerinnen Katharina Shakina und Helen Wendt versuchen wird, die grundsätzliche Möglichkeit von Freiheit im Raum körperlich zu erforschen: als „begehbare Installation“, wie es heißt.

„Independence in Space“

Am Samstag und Sonntag werden die Künstlerinnen je vier Stunden performen, wobei es dem Publikum offensteht, wann, wie lange und auf welchen Wegen sie „Independence in Space“ erleben wollen. Das meint nicht nur den organisatorischen Aufbau der Veranstaltung, sondern betrifft auch die inhaltliche Ebene. Denn obwohl das Material der Produktion diesmal aus Katalonien stammt, soll es doch jede*n betreffen, der oder die Freiheit individuell entlang der Grenzen von Kultur, Nation, Hautfarbe, Gender oder sexueller Orientierung verhandeln muss. So jedenfalls formuliert die Costa Compagnie ihren Anspruch.

Hochgradig reflektiert

Montserrat Gardó Castillo bietet ihre eigene Erfahrung demnach ganz ausdrücklich als Muster an. Hochgradig reflektiert beschreibt die auch als Journalistin ausgebildete Tänzerin, wie bei der Recherche Emotionen und rationale Überlegungen aufeinanderprallten. Natürlich wisse sie vom Kopf her, dass Universalismus richtig und wichtig sei. „Trotzdem bekomme ich heute noch Gänsehaut“, sagt sie beim Gedanken an die Reise.

In Katalonien hat sie mit der Compagnie Volksfeste besucht, und bei den „Castells“ mitgewirkt: mehrstöckige Menschenpyramiden, die schnell und nicht ganz ungefährlich auf Straßen und Marktplätzen geformt werden. In dieser Kombination aus Folklore und ex­tremer Körperlichkeit habe sie eine kollektive Erfahrung gemacht, die ihr bis dahin fremd war: „Plötzlich habe ich mich katalanisch gefühlt.“

Kosmopolitane Jazzmontagen

Das Bühnengeschehen ist nun eine Abstraktion dieser Emotion, statt des folkloristischen Materials sind elektronische Rhythmen und Störgeräusche zu hören sowie kosmopolitane Jazzmontagen und Field Recordings – also Hintergrundsounds von Demonstrationen oder aus der Natur.

Und da verfliegt dann auch die letzte Verwunderung darüber, was das Edith-Russ-Haus für Medienkunst, das mit dieser Veranstaltung übrigens sein 20. Jahr einläutet, nun eigentlich mit Tanz zu schaffen hat. Politisch und in Sachen multimedialer Ästhetik ist „Independence in Space“ hier nämlich absolut kein Fremdkörper. Obwohl es natürlich genau darum geht.


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