CONVERSION / NACH AFGHANISTAN
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STORY OF CONVERSION
(Dokumentation von Julika Bickel)

TERMINE

03. November 2020
Verschoben auf 16. Oktober 2021 aufgrund von Covid-19

Scharoun Theater
Wolfsburg

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14. Juni 2017 | 20 Uhr

Ballhaus Ost
Berlin

Performing Arts Festival – Tickets

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24., 25. und 26. November 2016 | 20:30 h
Kampnagel
Hamburg

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05. Oktober 2016
Installation / Lecture Performance
Goethe Institut
New York City, USA

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30.09 und 01.10.2016
Vassar College
Frances Daly Fergusson Dance Theater

Poughkeepsie, NY, USA

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23. und 24. Juni 2016 | 19:30 h
IMPULSE-Theaterfestival
FFT Juta
DĂĽsseldorf

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08. und 09. April 2016 | 19 Uhr

Theater am Lend
Graz

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30. und 31. Januar 2016 | 20 Uhr

Ballhaus Ost
Berlin

„Everyday we leave the house, we are aware that we may die.“

Während ihrer dreiwöchigen, filmischen Recherche am Hindukusch zum Ende des ISAF-Einsatzes befragte die COSTA COMPAGNIE Afghan*innen, Journalist*innen, Wissenschaftler*innen und Diplomat*innen sowie deutsche und US-Soldat*innen nach ihren Erfahrungen. In Kabul und Mazar-e-Sharif; in Wohnungen, Büros, Rosengärten und NATO-Stützpunkten erfuhren sie vom Willen, das Land wieder aufzubauen, hörten Berichte von Sicherheit und Willkür, Freiheitsrechten und Chaos.

CONVERSION übersetzt die Vielstimmigkeit und Widersprüchlichkeit des gesammelten Materials in eine Aufführung zwischen Tanz, Recherchetheater, Soundscape und Multimedia-Installation, die fragt: Wie hat der Einsatz die Situation im Land und die Menschen vor Ort beeinflusst? Was wurde zurückgelassen? Und in welcher Form können wir heute vom Krieg berichten?

Afghanistan-Research-Blog: http://costacompagnie.tumblr.com/

AUSZUG AUS DEM TEXT

Sie schrieb, all das gesammelte Material ließe keine Dokumentation entstehen. Dokumentation beinhalte immer auch den Anspruch auf Vollständigkeit, auf Wahrheit. Aber auch wenn alles auf dokumentarischem Material beruhe, reflektiere es doch eher einen emotionalen Zustand.

Sie schrieb es sei unmöglich, eine Darstellung von Wirklichkeit zu erzeugen. Jeder Einzelne habe ein anderes System von persönlichen Werten und Vorstellungen, das einem die Welt ordne – und das Herausfordernde an einem Ort wie Afghanistan sei es nun, dass die schiere Fülle von komplexer Widersprüchlichkeit und sich moralisch ausschließenden Situationen so überwältigend sei, das einem gar nichts anderes übrig bliebe als alles bisher Gedachte über den Haufen zu werfen. Man müsse ein neues Feld eröffnen in dem man versuche, Realität zu denken. Denn in Afghanistan sei man permanent mit dem positiven und dem negativen Handeln des Westens offensiv konfrontiert.

AUSZĂśGE PRESSE

„In eindrucksvollen Bild-, Sound- und Tanzkompositionen, arrangiert mit intelligent montiertem Text aus dokumentarischen und essayistischen Anteilen, gelingt es der Performance-Gruppe „Costa Compagnie“, sich mit kĂĽnstlerischen Mitteln Erfahrungen einer heterogenen afghanischen Gegenwart anzueignen, sie in einen politischen wie auch emotionalen Kontext zu ĂĽbersetzen und bei aller BestĂĽrzung, einen Hoffnungsschimmer aufblitzen zu lassen.“
Theaterpur.net, 30.06.2016

„… die Truppe macht zuletzt auch ihre eigene Rolle zum Thema. Können und dĂĽrfen westliche KĂĽnstler fĂĽr die Menschen Afghanistans sprechen, ohne dabei deren Stimmen zu verfälschen oder in Moral-Kitsch oder in Kunst-Kolonialismus abzugleiten? Auf fantastische und smarte, wenn auch teilweise ausufernde Weise wird so die Vielstimmigkeit und WidersprĂĽchlichkeit im Umgang mit sogenannten Krisengebieten unmittelbar erfahrbar!“
Kronenzeitung, 09.04.2016

„Eine Afghanin sagt, dass nur eine einzige neu gegrĂĽndete Mädchenschule gereicht hätte, um den Einsatz zu rechtfertigen. Ihr wird aber gleich auch widersprochen. Die Stärke dieses StĂĽcks ist es, dass es die Zerrissenheit des Landes zeigt und dabei Ursachen und die historische Entwicklung stark mit einbezieht. (…) „Conversion 2“ ist ein sehr ĂĽberzeugendes DokumentarstĂĽck fĂĽr die BĂĽhne geworden.“
SWR 2 (SĂĽdwest Rundfunk), 09.05.2015

„Kritiker(innen) des herkömmlichen Frauenbilds in Afghanistan kommen ebenso zu Wort wie Befürworter der Taliban und der Scharia, Soldaten der Isaf-Truppen ebenso wie Zivilisten. In leidenschaftlichen Tanzsequenzen ahnt man traumatische Erlebnisse.“
Rhein-Neckar-Zeitung, 11.05.2015

»Start Cooking … Recipe will follow«, hat der  »Impulse Theater Festival 2016«-Leiter Florian Malzacher seinem Festival als Jahrgangs-Motto verpasst. Was in etwa auch der Leitspruch des Einsatzes der Amerikaner und Deutschen in Afghanistan war. Kurz vor Ende der ISAF-Mission sind die KĂĽnstler der Costa-Compagnie unter FĂĽhrung von Felix Meyer-Christian noch mal an den Hindukush gereist, um zu schauen, welche Freiheit da genau verteidigt wurde. Mit Soldaten haben sie gesprochen, mit Zivilisten, mit Taliban-Fans und emanzipierten Frauen. Entstanden ist aus der Recherche die kluge Performance »Conversion / Nach Afghanistan«. Ein Mix aus Videoimpressionen, Tanzpassagen und Dokutheater. Im Satz eines interviewten Befehlshabers, wonach die »Freund-Feind-Kennung« vor Ort verloren gegangen sei, ist dabei ziemlich präzise der Status quo der militärisch-moralischen Orientierungslosigkeit zusammengefasst. Noch ein KriegsstĂĽck, das ohne Didaktik ĂĽberzeugt.“
www.kulturwest.de, 15.06.2016

„(…) unter all den gelisteten Vorschlägen fĂĽr Theaterbesuche auch eine Produktion war, die eben jener Frage nach Kunst, Politik und Handeln tiefgrĂĽndig, mutig und gleichzeitig erfrischend offen am allerkonkretesten nachging, wie es vorher so noch nicht gesehen wurde: „Conversion – Nach Afghanistan“ am völlig ĂĽberfĂĽllten Ballhaus Ost von der freien Gruppe Costa Compagnie. (…)
Die Gruppe selbst bleibt dabei nicht neutral und verweist nach einer klaren Benennung der Problematiken im Land und der WidersprĂĽche des Westens in ihrem Abschlusstext auf die UngĂĽltigkeit einer kapitalistischen Kosten-Nutzen-Rechnung im Kriegsgebiet und fordert ganz utopisch „polyphone Prinzipien“ und eine Neuausrichtung des Denkens innerhalb der eigenen Bewertung, um parallel sehr real-politisch ein Ende der Gewalt einzufordern – „mit welchen Mitteln auch immer“. Wer etwas dringliches von der Welt erfahren will und mehr auf „Art“ statt auf „Artivism“ setzt, muss diesen Abend gesehen haben.“

www.nachtkritik.de / leserkritiken, 30.01.2016

„Die Costa Compagnie versucht nicht, als Welterklärer aufzutreten. Sie dokumentiert mit künstlerischen Mitteln wirkungsmächtig das Kaleidoskop einer afghanischen Gegenwart auf dem Weg in eine ungewisse Zukunft. Eine bemerkenswerte Leistung.“
Mannheimer Morgen 11.05.2015

VON UND MIT

KĂĽnstlerische Leitung / Text / Performance
Felix Meyer-Christian

Choreographie & Tanz
Jascha Viehstädt

Tanz & Performance
Hauke Heumann, Toni Jessen, Frank Koenen, Akemi Nagao, Maria Walser
Jorge Rodolfo de Hoyos, Paolo Amerio (Tour)

Audio
Katharina Kellermann
Marcus Thomas (Tour)

Video
Miguel Murrieta Vásquez

Video-Support
Jonas PlĂĽmke

BĂĽhnenraum & KostĂĽm
Anika Marquardt, Lani Tran Duc
Betti Pommer (Tour)

Licht & Technik
Fabian Eichner

Dramaturgie
Stawrula Panagiotaki

Assistenz
Nicole Nowak
Zahava Rodrigo (Tour)

Ăśbertitel
Anna-Lena Pappe

Recherche in Afghanistan
Stefan Haehnel (Video), Felix Meyer-Christian, Jascha Viehstädt

Ăśbersetzer in Afghanistan
Ahmad Nasir Formuli

Während der AuffĂĽhrungen von CONVERSION_2 / NACH AFGHANISTAN am Theater und Orchester Heidelberg zum Abschluss der zweijährigen Doppelpass-Kooperation am 08. – 10. Mai 2015 wirkten mit:

Performance
Hans Fleischmann, Florian Mania, Nanette Waidmann

Dramaturgie
Sonja Winkel

Produktionsleitung
Marlies Kink

AuĂźerdem
Kinderchor des Theaters und Orchesters Heidelberg unter der Leitung von Anna Töller

Informationen zur Doppelpass-Kooperation und zu den AuffĂĽhrungen im Theater unter
http://www.theaterheidelberg.de/?events=conversion_2-nach-afghanistan-08-05-2015-1930

 

PRESSE

Leserkritik auf nachtkritik.de vom 22.2.2016
http://www.nachtkritik.de/index.php?option=com_content&view=article&id=7956:leserkritiken&catid=331:leserkritiken-k&Itemid=100084#comment-56446

„Conversion – Nach Afghanistan“ von Costa Compagnie
Gastspiel am Ballhaus Ost am 30.01.2016

Vom 28. bis 31.01. fand in Berlin die Jahreskonferenz der Dramaturgischen Gesellschaft zum Thema „Was tun. Politisches Handeln jetzt“ statt. Es wurde viel diskutiert ĂĽber die Möglichkeiten von Theater in Zeiten politischer UmbrĂĽche, mit spannenden und langweiligen Beiträge und natĂĽrlich sehr viel Netzwerkelei. Kaum zuhause angekommen, schluckte einen der Betrieb und natĂĽrlich die Diskussion um die Auswahl fĂĽr das Theatertreffen…
Dabei fiel hinten runter, dass unter all den gelisteten Vorschlägen für Theaterbesuche auch eine Produktion war, die eben jener Frage nach Kunst, Politik und Handeln tiefgründig, mutig und gleichzeitig erfrischend offen am allerkonkretesten nachging, wie es vorher so noch nicht gesehen wurde: „Conversion – Nach Afghanistan“ am völlig überfüllten Ballhaus Ost von der freien Gruppe Costa Compagnie. Ein gut gehütetes Geheimnis und als Nachwuchsgruppe scheinbar noch unter dem Radar der Theaterscouts, wenn auch prominent ausgestattet über den Fonds Doppelpass.
Als Grundlage für diese multiperspektivische Kunstanalyse aus dem Kriegsgebiet mit Text, Tanz, Video, Musik und einer Luft-Installation recherchierten Mitglieder der Gruppe in Afghanistan und interviewten zahlreiche Bewohner der Städte Kabul und Masar Scharif, sowie Soldaten der Bundeswehr und der US-Army in ihren Feldlagern, der brisanten Sicherheitslage zum Trotz. Ein willkommener Vorstoß auf dem Theater, denn oft findet keine Diskussion darüber statt, dass die Deutschland jahrelang im Krieg in Afghanistan beteiligt war und nun nach dem Ende der Mission nicht nur die Soldaten zurück kommen, sondern vor allem auch diejenigen, für welche die Intervention eigentlich ein besseres Zuhause schaffen sollte. Was ist also geschehen und wie sehen das die Afghanen selbst?
Jetzt alles zu berichten, was die costa compagnie an diesem gewaltigen, facettenreichen und bewegenden Abend innerhalb der zwei Stunden leistet ist bei 4000 Zeichen unmöglich. Im Schnelldurchlauf:
Zunächst eine leere Bühne, im Video die Berge Afghanistans, vier Tänzer in energetischen Bewegungen, andere Spieler erscheinen, deutsche und englische Texten der Befragten (Berlin typisch nicht untertitelt), musikalisch alles von Musikerin Katharina Kellermann elektronisch live begleitet, Klang-Atmosphären, Beats, Stimmen, Flugzeugmotoren und Flächen. Man verbringt gebannt die erste Stunde mit Biographien, Frauenrechten, Anschlägen, Entwicklungszusammenarbeit und natürlich den Taliban. Das pointierte Arrangement der Texte schafft es, dass die Themen nebeneinander, als auch zum Streitgespräch gegenüber gestellt werden, so dass man in ein Horizont erweiterndes Meinungsbild eintauchen kann.
Repräsentation wird hier medial an das Video ausgelagert, indem zu den präsentierten Texten riesengroße, schweigend blickende Portraits der Befragten eingeblendet werden (zum Teil auch im Originalton als Teil der Bühnentextsituation). Ein subversives Narrativ einer Begegnung, wie sie nur auf dem Theater stattfinden kann, das auf die im Text gestellten, aktuell brennenden Fragen verweist: Was hat die Intervention im Land (nicht) bewirkt? In welchen Krieg erklärt sich eine westliche Gesellschaft bereit (wieder) zu ziehen? Für wen und für was? Dazwischen intensive Abschnitte im Tanz mit verdrehten und ruckartigen Körpern, ausufernden Bewegungen, Solo- und Gruppenchoreografien, aus denen sich die Tänzer mühelos lösen, um den nächste Befragten vorzustellen (Choreografie Jascha Viehstädt).
Im Video Landschaften, Gebäude, Panzer, Hubschrauber. Begriffe wie Realität, Dokumentation, Wahrheit und Moral werden in einem fortlaufenden Essay-Monolog von Hauke Heumann offen verbalisiert und in Frage gestellt (Text: künstl. Leiter Felix Meyer-Christian). Dann wachsen riesige, weiße Plastikschläuche zu einem dreidimensionalem Chaos, das bis über die Zuschauer hinaus ragt auf der Bühne (Annika Marquardt, Lani Tran Duc) und später entfaltet sich im Hintergrund wie ein überdimensionaler Hefeteig eine große Stoffblase/Zelt der maximal wächst und der Fokus verlegt sich auf die Interviews im Militärlager. Im zweiten Teil brechen die Ebenen dann virtuos durcheinander. :Ein komisch-groteskes Interview in einer Bäckerei, Slow-Motion-Traum-Sequenz, ein zunächst unverständlicher afghanischer Witz mit latent grenzdebilem Übersetzungsverlust, Pocahontas-Sexy-Musical-Einlage, der Konflikt zwischen Besatzung und Aufbau, Kultur, Religion und „Terror“.
Am Ende entweicht die Luft und es bleibt nichts außer einem Stoffrest und einem Wimmelbild mit den sprechenden Köpfen dutzender Befragter, in dem unter anderen ein Afghane die Demokratie als solche in Frage stellt oder ein Ex-Soldat die Militärintervention zunächst schärfstens kritisiert („Können die da oben wirklich gut schlafen?“), um dann im nächsten Augenblick zu sagen, dass sich diese dennoch nicht in Frage stellen lässt, woraufhin er trefflich mit dem Wort „Ambivalenz“ lachend endet.
Die Gruppe selbst bleibt dabei nicht neutral und verweist nach einer klaren Benennung der Problematiken im Land und der Widersprüche des Westens in ihrem Abschlusstext auf die Ungültigkeit einer kapitalistischen Kosten-Nutzen-Rechnung im Kriegsgebiet und fordert ganz utopisch „polyphone Prinzipien“ und eine Neuausrichtung des Denkens innerhalb der eigenen Bewertung, um parallel sehr real-politisch ein Ende der Gewalt einzufordern – „mit welchen Mitteln auch immer“. Wer etwas dringliches von der Welt erfahren will und mehr auf Art“ statt auf „Artivism“ setzt, muss diesen Abend gesehen haben.

Mannheimer Morgen, 11.05.2015
http://www.morgenweb.de/nachrichten/kultur/regionale-kultur/wirkungsmachtiges-kaleidoskop-der-widerspruche-1.2238544

Performance: 
Mit der Uraufführung „Conversion_2. Nach Afghanistan“ zeigt das Theater Heidelberg einen bemerkenswerten Theaterabend

Wirkungsmächtiges Kaleidoskop der Widersprüche
Von Martin Vögele

„Das Herausfordernde an einem Ort wie Afghanistan sei es, dass die schiere FĂĽlle komplexer WidersprĂĽchlichkeit und sich moralisch ausschlieĂźender Situationen so ĂĽberwältigend sei, dass einem gar nichts anderes ĂĽbrig bleibe, als alles bisher Gedachte ĂĽber den Haufen zu werfen und eine neues Feld zu eröffnen“, gibt Schauspieler Hauke Heumann das Schreiben einer ungenannten Verfasserin wieder. Auf die Spuren dieser WidersprĂĽche, Hoffnungen, Erfahrungen und Ă„ngste von Bevölkerung und Interims-Bewohnern begibt sich die freie Hamburger KĂĽnstlergruppe Costa Compagnie in „Conversion_2. Nach Afghanistan“ – eine im Rahmen des Projekts „Conversion. Eine deutsch-amerikanische Choreographie“ in Zusammenarbeit mit dem Heidelberger Theater entstandene Tanz-Performance, die im Theater Heidelberg uraufgefĂĽhrt wird.

Kurz bevor im Dezember 2014 der internationale Militäreinsatz in Afghanistan endete, waren der Künstlerische Leiter Felix Meyer-Christian, Choreograph Jascha Viehstädt und Stefan Haehnel (Kamera) zu einer Recherchereise aufgebrochen: In Kabul und Mazar-e-Sharif sprachen sie mit über 30 Afghanen, Bundeswehr- und US-Soldaten, sammelten Ton- und Bildaufnahmen.

Dokumentarische und essayistische Texte, Video-Tableaus, Tanz und Soundkompositionen verdichten sich bei „Conversion_2“ nun zu einer theatralen Reflexion dieser Reise. Meist werden die vielstimmigen Texte von den Performern (Heumann, Hans Fleischmann, Florian Nania, Nanette Waidmann) deklamiert, teils in den original Aufnahmen eingespielt.

Kein bequemer Weg

Vielgestaltig ist auch die Tanzsprache: Frank Koenen, Akemi Nagao, Jascha Viehstädt und Maria Walser changieren zwischen impulsiven Kraftakten, Niedergeworfenheit, rhythmisch-eruptivem Chaos und nach Einklang strebender Synchronizität. Einer der stärksten Momente ist zugleich der verstörendste: Die Tänzer zeigen eine Boygroup-Choreographie, während der Kinderchor des Theaters (der zuvor auch an einer begleitenden Performance-Installation mitgewirkt hat, die in und vor dem Haus präsentiert wurde) mit den Darstellern den fĂĽr den Disney-Film „Pocahontas“ geschriebenen Song „Colors Of The Wind“ singt.

„Conversion_2“ wählt keinen bequemen Weg – auch nicht fĂĽr den Zuschauer, der sich mit einer Flut von Positionen und BildeindrĂĽcken konfrontiert sieht (am Ende von Teil I ĂĽberwuchert etwa ein riesiger, aufgeblasener Plastikschlauch die komplette BĂĽhne); die Costa Compagnie versucht nicht, als Welterklärer aufzutreten. Sie dokumentiert mit kĂĽnstlerischen Mitteln wirkungsmächtig das Kaleidoskop einer heterogenen afghanischen Gegenwart auf dem Weg in eine ungewisse Zukunft. Eine bemerkenswerte Leistung.

Rhein-Neckar-Zeitung Heidelberg, 11.05.2015
http://www.rnz.de/kultur-tipps/kultur-regional_artikel,-Conversion_2-im-Heidelberger-Theater-Afghanistan-quo-vadis-_arid,96878.html

„Conversion_2“ im Heidelberger Theater: Afghanistan, quo vadis?
Tanz-Performance zur Problematik eines geschundenen Landes
Von Arndt Krödel

„Nichts ist gut in Afghanistan.“ 2010 löste dieser mutige Satz Margot Käßmanns, der damaligen Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland, in Teilen der Ă–ffentlichkeit harsche Kritik aus. Was die Aussage vielleicht auch bewirkte, war, Dinge zu hinterfragen, um aus gewohnten Mustern herauszukommen. Eben das versucht eine gemeinsame Produktion der „costa compagnie“ aus Hamburg und des Heidelberger Theaters, die unter dem Titel „Conversion_2. Nach Afghanistan“ ihre UrauffĂĽhrung im Marguerre-Saal erlebte. Die Tanz-Performance ist das zweite Produkt der Kooperation beider Ensembles, die bereits 2014 das StĂĽck „Conversion_1“ herausbrachten, das sich mit dem Abzug der US-Soldaten aus Heidelberg befasste.

Noch bevor der internationale Militäreinsatz in Afghanistan im Dezember 2014 – nach genau 13 Jahren – endete, reisten drei KĂĽnstler der costa compagnie an den Hindukusch. Sie machten Interviews mit Einheimischen, aber auch mit Soldaten und fragten nach deren Erfahrungen und GefĂĽhlen in Vergangenheit und Gegenwart. Eine Gegenwart, die sich darauf besinnen muss, dass ihre Koordinaten sich verändern und niemand weiĂź, wie die Sache ausgeht. Mit der Absicht, neue Formen des dokumentarischen und choreografischen Arbeitens zu erschlieĂźen, entstand aus dem mitgebrachten Material eine Tanz-Performance als subjektiv wahrgenommene Momentaufnahme Afghanistans.

Eine Dokumentation im engeren Sinne will und kann das StĂĽck, fĂĽr dessen Text und kĂĽnstlerische Leitung Felix Meyer-Christian verantwortlich zeichnet, daher nicht sein. Die sich als „interdisziplinär“ verstehende Performance arbeitet mit den Mitteln des zeitgenössischer Tanzes (Choreographie: Jascha Viehstädt), der Videoprojektion auf verschiedene Flächen und bietet einen teilweise stark ĂĽberhöhten Sound aus Geräuschen des Alltags und militärischer Aktivitäten sowie Musik. Auch der Alte Saal und das Foyer werden mit Installationen und dem Auftritt des Kinderchors einbezogen, der „Im FrĂĽhtau zu Berge“ intoniert.

Auf der Bühne nehmen Schauspieler die Rollen der interviewten Menschen ein, präsentieren sich als Boten aus einer anderen Welt, die sich als vielgestaltig und gegensätzlich, häufig als diffus darstellt. Kritiker(innen) des herkömmlichen Frauenbilds in Afghanistan kommen ebenso zu Wort wie Befürworter der Taliban und der Scharia, Soldaten der Isaf-Truppen ebenso wie Zivilisten. In leidenschaftlichen Tanzsequenzen ahnt man traumatische Erlebnisse, wenn die Akteure in verzweifelten Bewegungen wie gegen eine unsichtbare Wand zu laufen scheinen.

Etwas erschlagen entlässt einen diese Inszenierung, bei der im dichten Knäuel der atemlos einander abwechselnden Szenen und Fragmente die Orientierung bisweilen verloren geht. Dennoch: Überdeutlich und eindrucksvoll artikuliert sich am Ende die sorgenvolle Frage: Afghanistan, quo vadis? Es gelingen packende Bilder und eindringliche Momente, vor allem im Tanz, für die dem Hamburg-Heidelberger Ensemble Lob gebührt. Das Publikum zeigte sich mit langem, herzlichem Beifall sehr angetan.

Gefördert im Fonds Doppelpass der Kulturstiftung des Bundes

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In Kooperation mit dem Theater und Orchester Heidelberg

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Gastspiele im Frances Daly Fergusson Dance Theater / Vassar College, NY, USA werden gefördert durch das NATIONALE PERFORMANCE NETZ (NPN) Gastspielförderung Tanz International aus Mitteln der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestags.

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