CONVERSION / NACH AFGHANISTAN
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STORY OF CONVERSION
(Dokumentation von Julika Bickel)

TERMINE

03. November 2020
Verschoben auf 16. Oktober 2021 aufgrund von Covid-19

Scharoun Theater Wolfsburg

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14. Juni 2017 | 20 Uhr

Ballhaus Ost Berlin

Performing Arts Festival – Tickets

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24., 25. und 26. November 2016 | 20:30 h
Kampnagel Hamburg

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05. Oktober 2016
Installation / Lecture Performance
Goethe Institut NYC, USA

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30.09 und 01.10.2016
Vassar College, Poughkeepsie, NY, USA
Frances Daly Fergusson Dance Theater

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23. und 24. Juni 2016 | 19:30 h
IMPULSE-Theaterfestival
FFT Juta, DĂŒsseldorf

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08. und 09. April 2016 | 19 Uhr

Theater am Lend, Graz

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30. und 31. Januar 2016 | 20 Uhr

Ballhaus Ost, Berlin

„Everyday we leave the house, we are aware that we may die.“

WĂ€hrend ihrer dreiwöchigen Recherche am Hindukusch zum Ende des ISAF-Einsatzes befragte die COSTA COMPAGNIE Afghan*innen, Journalist*innen, Wissenschaftler*innen und Diplomat*innen sowie deutsche und US-Soldat*innen nach ihren Erfahrungen. In Kabul und Mazar-e-Sharif; in Wohnungen, BĂŒros, RosengĂ€rten und NATO-StĂŒtzpunkten erfuhren sie vom Willen, das Land wieder aufzubauen, hörten Berichte von Sicherheit und WillkĂŒr, Freiheitsrechten und Chaos.

CONVERSION ĂŒbersetzt die Vielstimmigkeit und WidersprĂŒchlichkeit des gesammelten Materials in eine AuffĂŒhrung zwischen Tanz, Recherchetheater, Soundscape und Multimedia-Installation, die fragt: Wie hat der Einsatz die Situation im Land beeinflusst? Was wurde zurĂŒckgelassen? Und mit welcher interdisziplinĂ€ren Form können wir heute vom Krieg berichten?

Afghanistan-Research-Blog: http://costacompagnie.tumblr.com/

Auszug: „CONVERSION / NACH AFGHANISTAN“

Sie schrieb, all das gesammelte Material ließe keine Dokumentation entstehen. Dokumentation beinhalte immer auch den Anspruch auf VollstĂ€ndigkeit, auf Wahrheit. Aber auch wenn alles auf dokumentarischem Material beruhe, reflektiere es doch eher einen emotionalen Zustand.

Sie schrieb es sei unmöglich, eine Darstellung von Wirklichkeit zu erzeugen. Jeder Einzelne habe ein anderes System von persönlichen Werten und Vorstellungen, das einem die Welt ordne – und das Herausfordernde an einem Ort wie Afghanistan sei es nun, dass die schiere FĂŒlle von komplexer WidersprĂŒchlichkeit und sich moralisch ausschließenden Situationen so ĂŒberwĂ€ltigend sei, das einem gar nichts anderes ĂŒbrig bliebe als alles bisher Gedachte ĂŒber den Haufen zu werfen. Man mĂŒsse ein neues Feld eröffnen in dem man versuche, RealitĂ€t zu denken. Denn in Afghanistan sei man permanent mit dem positiven und dem negativen Handeln des Westens offensiv konfrontiert.

AUSZÜGE PRESSE

„In eindrucksvollen Bild-, Sound- und Tanzkompositionen, arrangiert mit intelligent montiertem Text aus dokumentarischen und essayistischen Anteilen, gelingt es der Performance-Gruppe „Costa Compagnie“, sich mit kĂŒnstlerischen Mitteln Erfahrungen einer heterogenen afghanischen Gegenwart anzueignen, sie in einen politischen wie auch emotionalen Kontext zu ĂŒbersetzen und bei aller BestĂŒrzung, einen Hoffnungsschimmer aufblitzen zu lassen.“
Theaterpur.net, 30.06.2016

„… die Truppe macht zuletzt auch ihre eigene Rolle zum Thema. Können und dĂŒrfen westliche KĂŒnstler fĂŒr die Menschen Afghanistans sprechen, ohne dabei deren Stimmen zu verfĂ€lschen oder in Moral-Kitsch oder in Kunst-Kolonialismus abzugleiten? Auf fantastische und smarte, wenn auch teilweise ausufernde Weise wird so die Vielstimmigkeit und WidersprĂŒchlichkeit im Umgang mit sogenannten Krisengebieten unmittelbar erfahrbar!“
Kronenzeitung, 09.04.2016

„Eine Afghanin sagt, dass nur eine einzige neu gegrĂŒndete MĂ€dchenschule gereicht hĂ€tte, um den Einsatz zu rechtfertigen. Ihr wird aber gleich auch widersprochen. Die StĂ€rke dieses StĂŒcks ist es, dass es die Zerrissenheit des Landes zeigt und dabei Ursachen und die historische Entwicklung stark mit einbezieht. (…) „Conversion 2“ ist ein sehr ĂŒberzeugendes DokumentarstĂŒck fĂŒr die BĂŒhne geworden.“
SWR 2 (SĂŒdwest Rundfunk), 09.05.2015

„Kritiker(innen) des herkömmlichen Frauenbilds in Afghanistan kommen ebenso zu Wort wie BefĂŒrworter der Taliban und der Scharia, Soldaten der Isaf-Truppen ebenso wie Zivilisten. In leidenschaftlichen Tanzsequenzen ahnt man traumatische Erlebnisse.“
Rhein-Neckar-Zeitung, 11.05.2015

»Start Cooking 
 Recipe will follow«, hat der  »Impulse Theater Festival 2016«-Leiter Florian Malzacher seinem Festival als Jahrgangs-Motto verpasst. Was in etwa auch der Leitspruch des Einsatzes der Amerikaner und Deutschen in Afghanistan war. Kurz vor Ende der ISAF-Mission sind die KĂŒnstler der Costa-Compagnie unter FĂŒhrung von Felix Meyer-Christian noch mal an den Hindukush gereist, um zu schauen, welche Freiheit da genau verteidigt wurde. Mit Soldaten haben sie gesprochen, mit Zivilisten, mit Taliban-Fans und emanzipierten Frauen. Entstanden ist aus der Recherche die kluge Performance »Conversion / Nach Afghanistan«. Ein Mix aus Videoimpressionen, Tanzpassagen und Dokutheater. Im Satz eines interviewten Befehlshabers, wonach die »Freund-Feind-Kennung« vor Ort verloren gegangen sei, ist dabei ziemlich prĂ€zise der Status quo der militĂ€risch-moralischen Orientierungslosigkeit zusammengefasst. Noch ein KriegsstĂŒck, das ohne Didaktik ĂŒberzeugt.“
www.kulturwest.de, 15.06.2016

„(…) unter all den gelisteten VorschlĂ€gen fĂŒr Theaterbesuche auch eine Produktion war, die eben jener Frage nach Kunst, Politik und Handeln tiefgrĂŒndig, mutig und gleichzeitig erfrischend offen am allerkonkretesten nachging, wie es vorher so noch nicht gesehen wurde: „Conversion – Nach Afghanistan“ am völlig ĂŒberfĂŒllten Ballhaus Ost von der freien Gruppe Costa Compagnie. (…)
Die Gruppe selbst bleibt dabei nicht neutral und verweist nach einer klaren Benennung der Problematiken im Land und der WidersprĂŒche des Westens in ihrem Abschlusstext auf die UngĂŒltigkeit einer kapitalistischen Kosten-Nutzen-Rechnung im Kriegsgebiet und fordert ganz utopisch „polyphone Prinzipien“ und eine Neuausrichtung des Denkens innerhalb der eigenen Bewertung, um parallel sehr real-politisch ein Ende der Gewalt einzufordern – „mit welchen Mitteln auch immer“. Wer etwas dringliches von der Welt erfahren will und mehr auf „Art“ statt auf „Artivism“ setzt, muss diesen Abend gesehen haben.“

www.nachtkritik.de / leserkritiken, 30.01.2016

„Die Costa Compagnie versucht nicht, als WelterklĂ€rer aufzutreten. Sie dokumentiert mit kĂŒnstlerischen Mitteln wirkungsmĂ€chtig das Kaleidoskop einer afghanischen Gegenwart auf dem Weg in eine ungewisse Zukunft. Eine bemerkenswerte Leistung.“
Mannheimer Morgen 11.05.2015

VON UND MIT

KĂŒnstlerische Leitung / Text / Performance
Felix Meyer-Christian

Choreographie & Tanz
Jascha ViehstÀdt

Tanz & Performance
Hauke Heumann, Toni Jessen, Frank Koenen, Akemi Nagao, Maria Walser
Jorge Rodolfo de Hoyos, Paolo Amerio (Tour)

Audio
Katharina Kellermann
Marcus Thomas (Tour)

Video
Miguel Murrieta VĂĄsquez

Video-Support
Jonas PlĂŒmke

BĂŒhnenraum & KostĂŒm
Anika Marquardt, Lani Tran Duc
Betti Pommer (Tour)

Licht & Technik
Fabian Eichner

Dramaturgie
Stawrula Panagiotaki

Assistenz
Nicole Nowak
Zahava Rodrigo (Tour)

Übertitel
Anna-Lena Pappe

Recherche in Afghanistan
Stefan Haehnel (Video), Felix Meyer-Christian, Jascha ViehstÀdt

Übersetzer in Afghanistan
Ahmad Nasir Formuli

WĂ€hrend der AuffĂŒhrungen von CONVERSION_2 / NACH AFGHANISTAN am Theater und Orchester Heidelberg zum Abschluss der zweijĂ€hrigen Doppelpass-Kooperation am 08. – 10. Mai 2015 wirkten mit:

Performance
Hans Fleischmann, Florian Mania, Nanette Waidmann

Dramaturgie
Sonja Winkel

Produktionsleitung
Marlies Kink

Außerdem
Kinderchor des Theaters und Orchesters Heidelberg unter der Leitung von Anna Töller

Informationen zur Doppelpass-Kooperation und zu den AuffĂŒhrungen im Theater unter
http://www.theaterheidelberg.de/?events=conversion_2-nach-afghanistan-08-05-2015-1930

 

PRESSE

Leserkritik auf nachtkritik.de vom 22.2.2016
http://www.nachtkritik.de/index.php?option=com_content&view=article&id=7956:leserkritiken&catid=331:leserkritiken-k&Itemid=100084#comment-56446

„Conversion – Nach Afghanistan“ von Costa Compagnie
Gastspiel am Ballhaus Ost am 30.01.2016

Vom 28. bis 31.01. fand in Berlin die Jahreskonferenz der Dramaturgischen Gesellschaft zum Thema „Was tun. Politisches Handeln jetzt“ statt. Es wurde viel diskutiert ĂŒber die Möglichkeiten von Theater in Zeiten politischer UmbrĂŒche, mit spannenden und langweiligen BeitrĂ€ge und natĂŒrlich sehr viel Netzwerkelei. Kaum zuhause angekommen, schluckte einen der Betrieb und natĂŒrlich die Diskussion um die Auswahl fĂŒr das Theatertreffen…
Dabei fiel hinten runter, dass unter all den gelisteten VorschlĂ€gen fĂŒr Theaterbesuche auch eine Produktion war, die eben jener Frage nach Kunst, Politik und Handeln tiefgrĂŒndig, mutig und gleichzeitig erfrischend offen am allerkonkretesten nachging, wie es vorher so noch nicht gesehen wurde: „Conversion – Nach Afghanistan“ am völlig ĂŒberfĂŒllten Ballhaus Ost von der freien Gruppe Costa Compagnie. Ein gut gehĂŒtetes Geheimnis und als Nachwuchsgruppe scheinbar noch unter dem Radar der Theaterscouts, wenn auch prominent ausgestattet ĂŒber den Fonds Doppelpass.
Als Grundlage fĂŒr diese multiperspektivische Kunstanalyse aus dem Kriegsgebiet mit Text, Tanz, Video, Musik und einer Luft-Installation recherchierten Mitglieder der Gruppe in Afghanistan und interviewten zahlreiche Bewohner der StĂ€dte Kabul und Masar Scharif, sowie Soldaten der Bundeswehr und der US-Army in ihren Feldlagern, der brisanten Sicherheitslage zum Trotz. Ein willkommener Vorstoß auf dem Theater, denn oft findet keine Diskussion darĂŒber statt, dass die Deutschland jahrelang im Krieg in Afghanistan beteiligt war und nun nach dem Ende der Mission nicht nur die Soldaten zurĂŒck kommen, sondern vor allem auch diejenigen, fĂŒr welche die Intervention eigentlich ein besseres Zuhause schaffen sollte. Was ist also geschehen und wie sehen das die Afghanen selbst?
Jetzt alles zu berichten, was die costa compagnie an diesem gewaltigen, facettenreichen und bewegenden Abend innerhalb der zwei Stunden leistet ist bei 4000 Zeichen unmöglich. Im Schnelldurchlauf:
ZunĂ€chst eine leere BĂŒhne, im Video die Berge Afghanistans, vier TĂ€nzer in energetischen Bewegungen, andere Spieler erscheinen, deutsche und englische Texten der Befragten (Berlin typisch nicht untertitelt), musikalisch alles von Musikerin Katharina Kellermann elektronisch live begleitet, Klang-AtmosphĂ€ren, Beats, Stimmen, Flugzeugmotoren und FlĂ€chen. Man verbringt gebannt die erste Stunde mit Biographien, Frauenrechten, AnschlĂ€gen, Entwicklungszusammenarbeit und natĂŒrlich den Taliban. Das pointierte Arrangement der Texte schafft es, dass die Themen nebeneinander, als auch zum StreitgesprĂ€ch gegenĂŒber gestellt werden, so dass man in ein Horizont erweiterndes Meinungsbild eintauchen kann.
ReprĂ€sentation wird hier medial an das Video ausgelagert, indem zu den prĂ€sentierten Texten riesengroße, schweigend blickende Portraits der Befragten eingeblendet werden (zum Teil auch im Originalton als Teil der BĂŒhnentextsituation). Ein subversives Narrativ einer Begegnung, wie sie nur auf dem Theater stattfinden kann, das auf die im Text gestellten, aktuell brennenden Fragen verweist: Was hat die Intervention im Land (nicht) bewirkt? In welchen Krieg erklĂ€rt sich eine westliche Gesellschaft bereit (wieder) zu ziehen? FĂŒr wen und fĂŒr was? Dazwischen intensive Abschnitte im Tanz mit verdrehten und ruckartigen Körpern, ausufernden Bewegungen, Solo- und Gruppenchoreografien, aus denen sich die TĂ€nzer mĂŒhelos lösen, um den nĂ€chste Befragten vorzustellen (Choreografie Jascha ViehstĂ€dt).
Im Video Landschaften, GebĂ€ude, Panzer, Hubschrauber. Begriffe wie RealitĂ€t, Dokumentation, Wahrheit und Moral werden in einem fortlaufenden Essay-Monolog von Hauke Heumann offen verbalisiert und in Frage gestellt (Text: kĂŒnstl. Leiter Felix Meyer-Christian). Dann wachsen riesige, weiße PlastikschlĂ€uche zu einem dreidimensionalem Chaos, das bis ĂŒber die Zuschauer hinaus ragt auf der BĂŒhne (Annika Marquardt, Lani Tran Duc) und spĂ€ter entfaltet sich im Hintergrund wie ein ĂŒberdimensionaler Hefeteig eine große Stoffblase/Zelt der maximal wĂ€chst und der Fokus verlegt sich auf die Interviews im MilitĂ€rlager. Im zweiten Teil brechen die Ebenen dann virtuos durcheinander. :Ein komisch-groteskes Interview in einer BĂ€ckerei, Slow-Motion-Traum-Sequenz, ein zunĂ€chst unverstĂ€ndlicher afghanischer Witz mit latent grenzdebilem Übersetzungsverlust, Pocahontas-Sexy-Musical-Einlage, der Konflikt zwischen Besatzung und Aufbau, Kultur, Religion und „Terror“.
Am Ende entweicht die Luft und es bleibt nichts außer einem Stoffrest und einem Wimmelbild mit den sprechenden Köpfen dutzender Befragter, in dem unter anderen ein Afghane die Demokratie als solche in Frage stellt oder ein Ex-Soldat die MilitĂ€rintervention zunĂ€chst schĂ€rfstens kritisiert („Können die da oben wirklich gut schlafen?“), um dann im nĂ€chsten Augenblick zu sagen, dass sich diese dennoch nicht in Frage stellen lĂ€sst, woraufhin er trefflich mit dem Wort „Ambivalenz“ lachend endet.
Die Gruppe selbst bleibt dabei nicht neutral und verweist nach einer klaren Benennung der Problematiken im Land und der WidersprĂŒche des Westens in ihrem Abschlusstext auf die UngĂŒltigkeit einer kapitalistischen Kosten-Nutzen-Rechnung im Kriegsgebiet und fordert ganz utopisch „polyphone Prinzipien“ und eine Neuausrichtung des Denkens innerhalb der eigenen Bewertung, um parallel sehr real-politisch ein Ende der Gewalt einzufordern – „mit welchen Mitteln auch immer“. Wer etwas dringliches von der Welt erfahren will und mehr auf Art“ statt auf „Artivism“ setzt, muss diesen Abend gesehen haben.

Mannheimer Morgen, 11.05.2015
http://www.morgenweb.de/nachrichten/kultur/regionale-kultur/wirkungsmachtiges-kaleidoskop-der-widerspruche-1.2238544

Performance: 
Mit der UrauffĂŒhrung „Conversion_2. Nach Afghanistan“ zeigt das Theater Heidelberg einen bemerkenswerten Theaterabend

WirkungsmĂ€chtiges Kaleidoskop der WidersprĂŒche
Von Martin Vögele

„Das Herausfordernde an einem Ort wie Afghanistan sei es, dass die schiere FĂŒlle komplexer WidersprĂŒchlichkeit und sich moralisch ausschließender Situationen so ĂŒberwĂ€ltigend sei, dass einem gar nichts anderes ĂŒbrig bleibe, als alles bisher Gedachte ĂŒber den Haufen zu werfen und eine neues Feld zu eröffnen“, gibt Schauspieler Hauke Heumann das Schreiben einer ungenannten Verfasserin wieder. Auf die Spuren dieser WidersprĂŒche, Hoffnungen, Erfahrungen und Ängste von Bevölkerung und Interims-Bewohnern begibt sich die freie Hamburger KĂŒnstlergruppe Costa Compagnie in „Conversion_2. Nach Afghanistan“ – eine im Rahmen des Projekts „Conversion. Eine deutsch-amerikanische Choreographie“ in Zusammenarbeit mit dem Heidelberger Theater entstandene Tanz-Performance, die im Theater Heidelberg uraufgefĂŒhrt wird.

Kurz bevor im Dezember 2014 der internationale MilitĂ€reinsatz in Afghanistan endete, waren der KĂŒnstlerische Leiter Felix Meyer-Christian, Choreograph Jascha ViehstĂ€dt und Stefan Haehnel (Kamera) zu einer Recherchereise aufgebrochen: In Kabul und Mazar-e-Sharif sprachen sie mit ĂŒber 30 Afghanen, Bundeswehr- und US-Soldaten, sammelten Ton- und Bildaufnahmen.

Dokumentarische und essayistische Texte, Video-Tableaus, Tanz und Soundkompositionen verdichten sich bei „Conversion_2“ nun zu einer theatralen Reflexion dieser Reise. Meist werden die vielstimmigen Texte von den Performern (Heumann, Hans Fleischmann, Florian Nania, Nanette Waidmann) deklamiert, teils in den original Aufnahmen eingespielt.

Kein bequemer Weg

Vielgestaltig ist auch die Tanzsprache: Frank Koenen, Akemi Nagao, Jascha ViehstĂ€dt und Maria Walser changieren zwischen impulsiven Kraftakten, Niedergeworfenheit, rhythmisch-eruptivem Chaos und nach Einklang strebender SynchronizitĂ€t. Einer der stĂ€rksten Momente ist zugleich der verstörendste: Die TĂ€nzer zeigen eine Boygroup-Choreographie, wĂ€hrend der Kinderchor des Theaters (der zuvor auch an einer begleitenden Performance-Installation mitgewirkt hat, die in und vor dem Haus prĂ€sentiert wurde) mit den Darstellern den fĂŒr den Disney-Film „Pocahontas“ geschriebenen Song „Colors Of The Wind“ singt.

„Conversion_2“ wĂ€hlt keinen bequemen Weg – auch nicht fĂŒr den Zuschauer, der sich mit einer Flut von Positionen und BildeindrĂŒcken konfrontiert sieht (am Ende von Teil I ĂŒberwuchert etwa ein riesiger, aufgeblasener Plastikschlauch die komplette BĂŒhne); die Costa Compagnie versucht nicht, als WelterklĂ€rer aufzutreten. Sie dokumentiert mit kĂŒnstlerischen Mitteln wirkungsmĂ€chtig das Kaleidoskop einer heterogenen afghanischen Gegenwart auf dem Weg in eine ungewisse Zukunft. Eine bemerkenswerte Leistung.

Rhein-Neckar-Zeitung Heidelberg, 11.05.2015
http://www.rnz.de/kultur-tipps/kultur-regional_artikel,-Conversion_2-im-Heidelberger-Theater-Afghanistan-quo-vadis-_arid,96878.html

„Conversion_2“ im Heidelberger Theater: Afghanistan, quo vadis?
Tanz-Performance zur Problematik eines geschundenen Landes
Von Arndt Krödel

„Nichts ist gut in Afghanistan.“ 2010 löste dieser mutige Satz Margot KĂ€ĂŸmanns, der damaligen Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland, in Teilen der Öffentlichkeit harsche Kritik aus. Was die Aussage vielleicht auch bewirkte, war, Dinge zu hinterfragen, um aus gewohnten Mustern herauszukommen. Eben das versucht eine gemeinsame Produktion der „costa compagnie“ aus Hamburg und des Heidelberger Theaters, die unter dem Titel „Conversion_2. Nach Afghanistan“ ihre UrauffĂŒhrung im Marguerre-Saal erlebte. Die Tanz-Performance ist das zweite Produkt der Kooperation beider Ensembles, die bereits 2014 das StĂŒck „Conversion_1“ herausbrachten, das sich mit dem Abzug der US-Soldaten aus Heidelberg befasste.

Noch bevor der internationale MilitĂ€reinsatz in Afghanistan im Dezember 2014 – nach genau 13 Jahren – endete, reisten drei KĂŒnstler der costa compagnie an den Hindukusch. Sie machten Interviews mit Einheimischen, aber auch mit Soldaten und fragten nach deren Erfahrungen und GefĂŒhlen in Vergangenheit und Gegenwart. Eine Gegenwart, die sich darauf besinnen muss, dass ihre Koordinaten sich verĂ€ndern und niemand weiß, wie die Sache ausgeht. Mit der Absicht, neue Formen des dokumentarischen und choreografischen Arbeitens zu erschließen, entstand aus dem mitgebrachten Material eine Tanz-Performance als subjektiv wahrgenommene Momentaufnahme Afghanistans.

Eine Dokumentation im engeren Sinne will und kann das StĂŒck, fĂŒr dessen Text und kĂŒnstlerische Leitung Felix Meyer-Christian verantwortlich zeichnet, daher nicht sein. Die sich als „interdisziplinĂ€r“ verstehende Performance arbeitet mit den Mitteln des zeitgenössischer Tanzes (Choreographie: Jascha ViehstĂ€dt), der Videoprojektion auf verschiedene FlĂ€chen und bietet einen teilweise stark ĂŒberhöhten Sound aus GerĂ€uschen des Alltags und militĂ€rischer AktivitĂ€ten sowie Musik. Auch der Alte Saal und das Foyer werden mit Installationen und dem Auftritt des Kinderchors einbezogen, der „Im FrĂŒhtau zu Berge“ intoniert.

Auf der BĂŒhne nehmen Schauspieler die Rollen der interviewten Menschen ein, prĂ€sentieren sich als Boten aus einer anderen Welt, die sich als vielgestaltig und gegensĂ€tzlich, hĂ€ufig als diffus darstellt. Kritiker(innen) des herkömmlichen Frauenbilds in Afghanistan kommen ebenso zu Wort wie BefĂŒrworter der Taliban und der Scharia, Soldaten der Isaf-Truppen ebenso wie Zivilisten. In leidenschaftlichen Tanzsequenzen ahnt man traumatische Erlebnisse, wenn die Akteure in verzweifelten Bewegungen wie gegen eine unsichtbare Wand zu laufen scheinen.

Etwas erschlagen entlĂ€sst einen diese Inszenierung, bei der im dichten KnĂ€uel der atemlos einander abwechselnden Szenen und Fragmente die Orientierung bisweilen verloren geht. Dennoch: Überdeutlich und eindrucksvoll artikuliert sich am Ende die sorgenvolle Frage: Afghanistan, quo vadis? Es gelingen packende Bilder und eindringliche Momente, vor allem im Tanz, fĂŒr die dem Hamburg-Heidelberger Ensemble Lob gebĂŒhrt. Das Publikum zeigte sich mit langem, herzlichem Beifall sehr angetan.

Gefördert im Fonds Doppelpass der Kulturstiftung des Bundes

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In Kooperation mit dem Theater und Orchester Heidelberg

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Gastspiele im Frances Daly Fergusson Dance Theater / Vassar College, NY, USA werden gefördert durch das NATIONALE PERFORMANCE NETZ (NPN) Gastspielförderung Tanz International aus Mitteln der Beauftragten der Bundesregierung fĂŒr Kultur und Medien aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestags.

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